Kaminofen überhitzt und was jetzt zu tun ist
Der Ofen bollert, die Scheibe glüht orange und die Wand dahinter fühlt sich ungewohnt heiß an. Dann ist die Grenze der Nennleistung überschritten. Die Ursachen liegen fast immer beim Brennstoff, der Luftregelung oder dem Schornsteinzug, und alle drei lassen sich ohne Umbau in den Griff bekommen.

Woran Sie eine Überhitzung erkennen
Erstes Warnzeichen ist ein Geruch nach verbranntem Lack. Neue Öfen riechen in den ersten Betriebsstunden danach, das verfliegt wieder. Hält er an oder kehrt bei jedem Heizen zurück, wurde der Ofen zu heiß gefahren, und lackierte Teile verfärben sich grau oder weiß. Ebenfalls verdächtig sind ein dunkelrot glühendes Rauchrohr, ein dröhnendes Geräusch im Feuerraum und Flammen, die sichtbar vom Luftstrom gezogen werden. Herstellerangaben warnen, dass dauerhaftes Überschreiten der Nennleistung Bauteile beschädigen kann, in diesem Fall erlischt häufig die Garantie. Sichtbar wird die Lage mit einem Thermometer am Rauchrohr, noch bevor es kritisch wird. Fühlt sich die Wand hinter dem Ofen nach einer Stunde deutlich heißer an als sonst, sollten Sie den Abstand zu brennbaren Materialien prüfen lassen.
Die Brennstoffmenge als häufigste Ursache
Viele Öfen werden mit zu viel Holz beladen. Eine gängige Herstelleranleitung nennt beispielhaft 1,5 Kilogramm pro Stunde als Normalmenge und höchstens 2,5 Kilogramm pro Stunde, jeweils mit maximal drei Scheiten. Gültig sind sie für Laubholz mit etwa 18 Prozent Restfeuchte. Auf dem Typenschild und in der Anleitung Ihres Ofens stehen die passenden Zahlen für Ihr Modell. Wiegen Sie eine typische Auflage einmal ab, danach genügt das Augenmaß. Dünn gespaltene Scheite brennen schneller und heißer ab als dicke, die Zahl der Scheite sagt deshalb nur die halbe Wahrheit. Briketts entwickeln mehr Hitze als Scheite gleichen Gewichts, was bei häufiger Nutzung einzurechnen ist.
Holzart und Restfeuchte
Nadelholz brennt heißer und schneller ab als Buche oder Eiche, die Herstellerwerte gelten deshalb für Laubholz. Sehr trockenes Holz brennt ebenfalls lebhafter, als viele erwarten. Wechseln Sie von feuchterem auf trockeneres Holz, reduzieren Sie die Menge, sonst überschreitet der Ofen unbemerkt seine Nennleistung. Brennholz lässt sich mit einem Feuchtemessgerät prüfen, gemessen wird an einer frisch gespaltenen Fläche. Harzreiches Nadelholz setzt zudem mehr Ruß frei und eignet sich eher als Anzündhilfe. Gespaltene Scheite trocknen außerdem schneller als ganze Rundlinge. Empfohlen werden meist Werte unter 20 Prozent. Buche erreicht diese Trockenheit in der Regel nach etwa zwei Jahren Lagerung an einem luftigen, überdachten Platz.
Luftklappe und Zug richtig einstellen
Die Luftklappe regelt, wie viel Sauerstoff ins Feuer gelangt. In derselben Anleitung entspricht eine Klappenöffnung von 45 Prozent der Nennleistung von 5 Kilowatt, mit 30 Prozent und zwei Scheiten kommen etwa 3 bis 4 Kilowatt heraus. Nach dem Nachlegen sollte die Luft drei bis fünf Minuten voll offen bleiben, damit das Holz sauber durchzündet. Danach wird gedrosselt. Die ideale Stellung ist von Ofen zu Ofen verschieden, deshalb hilft nur Ausprobieren: Klappe in kleinen Schritten verändern und die Flamme beobachten. Starker Schornsteinzug hebelt diese Einstellung aus, weil der Kamin zusätzlich Luft durch alle Ritzen saugt. Windböen oder tiefe Außentemperaturen erhöhen den Unterdruck spürbar, und derselbe Ofen, der gestern ruhig brannte, läuft heute heiß.
Zugbegrenzer als Gegenmittel
Als Zugbegrenzer dient eine Nebenluftvorrichtung im Rauchrohr, die bei zu hohem Unterdruck öffnet und Raumluft einlässt. Ab Werk steht er oft auf 10 Pascal Schließdruck, einstellbar ist je nach Modell ein Bereich von 10 bis 50 Pascal, wobei zwei Millimeter Verstellweg etwa 5 Pascal entsprechen. Er baut Zugschwankungen ab und senkt so die Abgasverluste. Eingestellt wird er vom Schornsteinfeger oder Ofenbauer, der den tatsächlichen Zug mit einem Messgerät prüft. Der Zug wird in Pascal gemessen, am besten bei laufendem Feuer, weil er sich mit der Rauchgastemperatur ändert. Nachträglich einbauen lässt sich ein Zugbegrenzer, wenn der Ofen bei Wind regelmäßig überdreht, am besten zusammen mit dem nächsten Kontrolltermin.
Sofortmaßnahmen bei zu heißem Ofen
Läuft der Ofen bereits heiß, hilft Ruhe mehr als Aktionismus. Diese Reihenfolge hat sich bewährt:
- Kein Holz mehr nachlegen und die Ofentür geschlossen halten.
- Luftklappe schrittweise zurücknehmen, nicht abrupt schließen.
- Brennbares in der Nähe, etwa Zeitungen, Körbe oder Kaminbesteck mit Kunststoffgriff, wegräumen.
- Den Raum lüften, ohne dabei das Fenster direkt vor dem Ofen zu öffnen.
- Rauchrohr und Ofenoberfläche beobachten, bis die Temperatur sinkt.
- Bei Funkenflug am Schornstein, Brummen im Kamin oder Flammen aus der Mündung Luftklappe und Tür schließen, die Feuerwehr unter 112 rufen und später den Schornsteinfeger prüfen lassen.
Mit Wasser löschen Sie das Feuer nicht, das Gusseisen kann reißen.
Warum Abwürgen keine Lösung ist
Mancher versucht es mit extremer Drosselung, damit das Holz nur noch vor sich hin schwelt. Das senkt die Wärme kurzfristig, erzeugt aber unvollständige Verbrennung. Folgen sind mehr Schadstoffe, ein schlechter Wirkungsgrad und eine schwarze Scheibe. Schwelgase können sich außerdem schlagartig entzünden, was Ofen und Kamin belastet. Sinnvoller ist weniger Holz bei normal geöffneter Luft, denn dann brennt es kleiner, aber sauber. Legen Sie lieber früher und kleiner nach als spät und viel, und lassen Sie die Glut nicht komplett herunterbrennen, damit der Ofen nicht jedes Mal bei null startet. Eine saubere Scheibe und ein heller, klarer Flammenschein gelten als Zeichen guter Verbrennung.
Dauerhaft vorbeugen
Ein Rauchrohrthermometer zeigt, ob Sie im grünen Bereich fahren. Lassen Sie sich außerdem vom Schornsteinfeger oder Ofenbauer einweisen, vor allem bei einem neuen Gerät, und fragen Sie nach, welche Stellung der Luftklappe für Ihre Holzart gedacht ist. Verwenden Sie ausschließlich trockenes, harzarmes Holz. Notieren Sie die Stellung der Luftklappe, bei der Ihr Ofen sauber und ruhig brennt, und bleiben Sie dabei. Jährlich sollten Sie die Dichtungen an Tür und Scheibe kontrollieren, denn Falschluft facht den Brand unkontrolliert an. Ist die Dichtschnur hart oder platt, lässt sich ein eingeklemmtes Blatt Papier mühelos herausziehen, ein einfacher Test, der in wenigen Sekunden Klarheit bringt.

