Winterreifenpflicht in Deutschland: Ab wann gilt sie und für wen?
Eine Winterreifenpflicht nach Kalender gibt es in Deutschland nicht, maßgeblich ist die Wetterlage. Sobald Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch oder Eis- und Reifglätte herrschen, sind nur Reifen mit Alpine-Symbol zulässig, also dem Berg mit Schneeflocke. Daneben zählen Reifenkennzeichnung und Profiltiefe.

Ab wann gilt die Winterreifenpflicht?
Wetterlage statt Kalender
Geregelt wird das in § 2 Absatz 3a der Straßenverkehrs-Ordnung. Generell besteht demnach keine Pflicht, sie greift erst, sobald winterliche Straßenverhältnisse herrschen. Reifglätte im Oktober macht Sommerreifen deshalb genauso unzulässig wie Schneematsch im März.
Die Merkregel von O bis O
Verbreitet ist der Rat, von Oktober bis Ostern mit Winterreifen zu fahren. Gesetz ist das nicht, es handelt sich um eine Orientierung für den Reifenwechsel. Wegen der wechselhaften Witterung kann der Zeitraum im Einzelfall länger oder kürzer ausfallen.
Welche Reifen sind erlaubt?
Das Alpine-Symbol
Das Alpine-Symbol („Three-Peak Mountain Snowflake“) ist seit dem 1. Januar 2018 für alle neu produzierten Winter- und Ganzjahresreifen vorgeschrieben. Zu finden ist es am sichersten an der Reifenflanke, denn dort sitzt die Kennzeichnung.
M+S-Reifen und die abgelaufene Übergangsfrist
Reifen, die vor 2018 hergestellt wurden und nur „M+S“ (Matsch und Schnee) tragen, durften noch bis zum 30. September 2024 gefahren werden. Seit dem 1. Oktober 2024 sind sie bei winterlichen Bedingungen nicht mehr erlaubt.
Ganzjahresreifen
Rechtlich gelten sie als Winterreifen, sofern sie das Alpine-Symbol tragen. Fahrtechnisch bleiben sie ein Kompromiss und erreichen unter extremen Witterungsbedingungen nicht die Leistung eines klassischen Winterreifens.
Wie tief muss das Profil sein?
Das gesetzliche Minimum
Für Pkw-Reifen schreibt das Gesetz mindestens 1,6 Millimeter Restprofil vor. Darunter drohen unabhängig von der Jahreszeit ein Bußgeld und im Ernstfall Ärger nach einem Unfall.
Die Empfehlung des ADAC
Aus Sicherheitsgründen rät der ADAC bei Winter- und Ganzjahresreifen zu mindestens 4 Millimetern. Tieferes Profil leitet Schneematsch ab und sorgt für Grip, sodass der Bremsweg auf winterlichen Straßen spürbar kürzer ausfällt.
Was kostet ein Verstoß?
Bußgelder für Fahrer
Falsche Bereifung bei Winterwetter kostet 60 Euro und 1 Punkt in Flensburg. Behindert der Fahrer andere Verkehrsteilnehmer, sind es 80 Euro, bei Gefährdung 100 Euro, jeweils mit 1 Punkt.
Haftung der Halter
Auch wer als Halter solche Fahrten zulässt oder anordnet, muss zahlen: 75 Euro und 1 Punkt. Betroffen sind etwa Firmenwagen und verliehene Fahrzeuge.
Gilt die Pflicht auch im Ausland?
Fahrzeuge mit ausländischem Kennzeichen
Jedes Fahrzeug, das auf deutschen Straßen bei winterlichen Bedingungen unterwegs ist, unterliegt der Regel, ob es einem Einheimischen gehört oder einem Skiurlauber auf der Anreise.
Ein Blick nach Österreich
Alpenquerungen mit dem eigenen Auto verlangen Kenntnis der Regeln vor Ort: Österreich stuft Winterreifen mit weniger als 4 Millimetern Profil als Sommerreifen ein, sie dürfen dort auf manchen Strecken im Winter nicht gefahren werden.
Was einen Winterreifen ausmacht
Gummimischung
Weicher bleibt die Mischung bei Kälte, sodass der Reifen auch unter dem Gefrierpunkt auf der Fahrbahn haftet. Sommerreifen werden bei niedrigen Temperaturen hart und verlieren spürbar Grip, selbst auf trockener Straße.
Profil und Lamellen
Zahlreiche feine Einschnitte im Profil, die Lamellen, krallen sich in Schnee und Eis. Breite Rillen transportieren Matsch und Wasser ab, damit der Reifen nicht aufschwimmt.
Wann der Wechsel sinnvoll ist
Der Richtwert von 7 Grad
Als Faustwert gilt eine Temperatur um 7 Grad Celsius: Unterhalb dieser Marke spielen Winterreifen ihre Vorteile aus, auch bei Nässe und trockener Kälte, nicht nur bei Schnee. Sicher ist man auch rechtlich, wenn der Wechsel um diese Marke erfolgt.
Winterreifen im Sommer
Erlaubt ist das Fahren mit Winterreifen im Sommer, sinnvoll jedoch kaum. Der weiche Gummi verschleißt bei Hitze schneller, außerdem steigen Rollwiderstand und Kraftstoffverbrauch.
Nach dem Wechsel
Radmuttern oder Radschrauben sollten nach 50 bis 100 Kilometern mit dem Drehmomentschlüssel nachgezogen werden. Außerdem sinkt der Luftdruck bei Kälte, ein Kontrollblick mit dem Manometer lohnt daher vor längeren Fahrten.
Schneeketten: Wo sie vorgeschrieben sind
Nur dort, wo ein Verkehrszeichen die Mitnahme oder Nutzung anordnet, sind Schneeketten Pflicht. Üblich ist die Montage auf der Antriebsachse, Hinweise dazu stehen in der Betriebsanleitung des Fahrzeugs. Ketten ersetzen keine Winterreifen, sie ergänzen sie bei extremer Schneelage.
Reifen richtig lagern und montieren
Lagerung über den Sommer
Kühl, trocken und dunkel lagern Reifen am besten, fern von Öl, Lösungsmitteln und direkter Hitze. Kompletträder liegen oder hängen, Reifen ohne Felge stehen. Markierungen an der Flanke helfen, beim nächsten Wechsel gleichmäßig zu tauschen.
Laufrichtung beachten
Laufrichtungspfeile an der Seitenwand zeigen bei vielen Winterreifen, wie herum der Reifen montiert wird. Wer das ignoriert, nutzt die Wirkung des Profils nicht voll aus.
Geschwindigkeitsindex und Aufkleber
Winterreifen dürfen einen niedrigeren Geschwindigkeitsindex haben als im Fahrzeugschein vermerkt. Voraussetzung ist ein Aufkleber im Blickfeld des Fahrers, der auf die zulässige Höchstgeschwindigkeit hinweist, die dann auch gilt.
Selbst wechseln oder in die Werkstatt?
Mit passendem Werkzeug gelingt der Wechsel auch in der Garage: Am besten sitzt der Wagenheber an den vorgesehenen Aufnahmepunkten, ein Drehmomentschlüssel sorgt für das richtige Anzugsmoment. Fehlt die Ausrüstung oder der ebene Untergrund, bleibt die Werkstatt, in der zusätzlich Wuchten und Prüfen möglich sind. Termine sind im Herbst begehrt, frühes Buchen entzerrt die Wartezeit.
Weitere Winterfit-Punkte am Auto
Frostschutz in der Scheibenwaschanlage, intakte Wischerblätter und eine geprüfte Batterie gehören zum Kontrollprogramm. Keine dieser Maßnahmen ersetzt die richtigen Reifen, doch alle zusammen senken das Risiko eines Ausfalls bei Kälte.
Der Reifencheck vor dem Winter
Symbol und Profil prüfen
Zuerst sucht ein Blick auf die Flanke das Alpine-Symbol. Danach misst ein Profiltiefenmesser an mehreren Stellen über die Lauffläche, damit ungleichmäßiger Abrieb auffällt.
Das Alter erkennen
An der Flanke steht die DOT-Nummer, deren letzte vier Ziffern Produktionswoche und Jahr verraten. Alte Reifen härten mit der Zeit aus, auch bei ausreichendem Profil lässt dann der Grip nach.
Rechtzeitig wechseln
Unsichere lassen die Reifen in der Werkstatt prüfen und wechseln vor den ersten Frostnächten, statt auf den ersten Schnee zu warten.
Quellen
- ADAC: Alpine-Symbol Pflicht bei Winterreifen und Winterreifenpflicht (Stand Oktober 2026)

