Haferflocken für Wildvögel im Winter
Das Ergebnis zuerst
Haferflocken sind für Weichfutterfresser am Boden eine brauchbare Ergänzung, ersetzen aber kein Winterfutter. Verwenden Sie nur pure Flocken ohne Zusätze, stellen Sie sie trocken und übersichtlich auf und beginnen Sie erst bei Frost oder Schnee.
Vögel im Winter mit Haferflocken zu füttern kostet wenig und gelingt mit einer Handvoll aus dem Küchenschrank, doch nicht jeder Gast im Garten rührt sie an.
Welche Gäste die Flocken annehmen
Haferflocken sind weiches Futter, und das schmeckt vor allem Arten, die am Boden suchen. Der Ratgeber von Utopia nennt mit Verweis auf eine Expertin des Landesbunds für Vogelschutz Amseln, Stare und Rotkehlchen. Die Gartenredaktion von Heidelberg24 zählt Amseln, Rotkehlchen, Zaunkönige und Drosseln auf. Eine ältere Meldung des NABU Sachsen-Anhalt aus dem Jahr 2010 erwähnt zusätzlich Heckenbraunellen und Meisen. Weil nur diese eine Quelle Meisen nennt, sollten Sie damit nicht fest rechnen.
Körnerfresser wie Finken, Sperlinge und Gimpel gehen meist leer aus, sie bekommen Sonnenblumenkerne, Hanfsaat, gehackte Erdnüsse oder eine Freilandmischung, so die Quellen übereinstimmend. Für beide Gruppen empfehlen sich zwei getrennte Stellen. Utopia betont außerdem, dass Flocken nur eine Ergänzung sind, denn Vögel brauchen eine ausgewogene Kost. Ein naturnaher Garten mit heimischen Sträuchern und wilden Ecken hilft dabei mehr als jede Schale.
Pur, mit Öl oder gemischt
Die Quellen sind sich in einem Punkt einig: Es müssen pure Flocken sein, ohne Konservierungsstoffe. Mit Fett gehen sie unterschiedlich um. Utopia empfiehlt, rohe Flocken hinzustellen, und nennt Sonnenblumenöl oder hundertprozentiges Nussmus als Fettquelle. Heidelberg24 rät dagegen zu einer kleinen Menge lauwarmem Raps oder Sonnenblumenöl und beruft sich auf den NABU. Trockene Flocken könnten im Schlund verklumpen, bei Nässe verderben sie rasch. Beides widerspricht sich nicht wirklich, denn roh sind sie in beiden Fällen, es geht nur um das Öl.

Wichtiger als die Frage nach dem Öl ist, was gar nicht in die Schale gehört. Die folgenden Dinge sollten Sie aussortieren:
- Müsli mit Zucker, Salz oder anderen Zusätzen
- Brot, das im Magen aufquillt, nach Angabe des NABU Sachsen-Anhalt
- Salziges wie Speck oder Salzkartoffeln
- Schokolade und gewürzte Reste vom Tisch
Futterstelle und Hygiene
Hier stoßen zwei Empfehlungen aufeinander. Heidelberg24 rät, Haferflocken in Bodennähe in eine flache Schale oder an eine geschützte Bodenfutterstelle zu legen. Die Volksstimme dagegen zitiert den NABU mit dem Rat zu Futtersilos, weil dort nichts verdirbt und die Tiere nicht im Futter herumlaufen und es mit Kot verunreinigen. Das ist die ältere der beiden Quellen, aber der Gedanke, Krankheitserreger gar nicht erst zu verteilen, bleibt stichhaltig. Ein Kompromiss besteht darin, die Flocken in einem geschützten Spender mit unterer Entnahmeöffnung bereitzustellen, zum Beispiel in einem Futtersilo für Wildvögel.
Regen, Schnee und Wind dürfen das Futter nicht erreichen, sonst verdirbt es oder vereist. Zur Aufstellung nennt der NABU Sachsen-Anhalt mindestens zwei Meter Abstand zu Glasscheiben, damit Vögel nicht dagegen fliegen, und einen übersichtlichen Platz, an den sich Katzen nicht unbemerkt anschleichen. Futterhäuschen und Schalen reinigen Sie regelmäßig mit heißem Wasser, am besten mit Handschuhen.
Wann Sie beginnen und wie viel hinein gehört
Gefüttert wird nach dieser Quelle erst, wenn Frost oder Schnee die natürliche Nahrung bedecken, dann aber verlässlich jeden Tag. Der Grund: Meisen können in einer einzigen Kältenacht bis zu zehn Prozent ihres Körpergewichts verlieren, und wer sie an eine Stelle gewöhnt hat und dann nichts mehr auslegt, lässt sie im Stich.
Zum Ende der Saison enthält keine der gelesenen Quellen eine Aussage. Naheliegend ist, die Menge zu verringern, sobald es dauerhaft milder wird und die Natur wieder liefert, aber das ist eine Einschätzung und kein belegter Termin. Bei Unsicherheit hilft die örtliche NABU Gruppe, die die Verhältnisse vor Ort kennt.
