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Kann man im Schach zwei Damen haben und wie das geht

Mitten in der Partie steht plötzlich eine zweite Dame auf dem Brett, und der Gegner schaut irritiert. Spielt man nur gelegentlich Schach, fragt man sich dann, ob man im Schach zwei Damen haben kann oder ob hier jemand geschummelt hat. Die Antwort ist eindeutig: Es ist erlaubt, und es kommt in Turnieren tatsächlich vor, wenn auch selten. Geschummelt hat also niemand, und auch Anfänger dürfen sich darauf berufen. Voraussetzung ist ein Bauer, der es bis zur gegnerischen Grundreihe schafft. Auf den folgenden Absätzen erfahren Sie, wie die Umwandlung abläuft, wie viele Damen höchstens zusammenkommen, wann eine andere Figur klüger ist und was Sie tun, wenn keine zweite Dame bereitliegt.

Kann man im Schach zwei Damen haben und wie das geht

Warum zwei Damen regelkonform sind

Im Schach gibt es keine Obergrenze für Figuren einer Sorte. Jede Seite beginnt zwar mit genau einer Dame, doch die Regeln erlauben es ausdrücklich, Bauern zu befördern. Erreicht ein Bauer die letzte Reihe, muss er sofort in eine Dame, einen Turm, einen Läufer oder einen Springer umgewandelt werden. Welche dieser Figuren gewählt wird, entscheidet allein der Spieler am Zug, die Dame ist dabei die häufigste Wahl, weil sie am stärksten ist. Nach den internationalen Regeln hängt die Umwandlung nicht davon ab, ob zuvor eine Figur geschlagen wurde. Die zweite Dame entsteht also aus dem Bauern, nicht aus dem Fundus der geschlagenen Steine.

So entsteht die zweite Dame auf dem Brett

Der Weg dorthin beginnt meist mit einem Freibauern, also einem Bauern ohne gegnerische Bauern auf seiner Linie oder den Nachbarlinien. Er rückt Feld für Feld nach vorn, bis er die achte Reihe erreicht. Am Brett läuft die Umwandlung in wenigen Schritten ab:

  1. Den Bauern auf die letzte Reihe ziehen oder schlagend dorthin bringen
  2. Den Bauern vom Brett nehmen
  3. Die gewünschte Figur auf das Zielfeld stellen
  4. Den Zug damit beenden, danach ist der Gegner an der Reihe

Die neue Figur darf nicht erst im nächsten Zug erscheinen, sie gehört zum selben Zug. Setzt sie den Gegner matt, ist die Partie unmittelbar entschieden. Aufgeschrieben wird die Dame nach den FIDE Regeln unmittelbar hinter dem Zielfeld, zum Beispiel a8D.

Wie viele Damen höchstens auf dem Brett stehen können

Theoretisch kann ein Spieler neun Damen gleichzeitig besitzen, nämlich die Ausgangsdame plus acht umgewandelte Bauern. Zwei Damen derselben Farbe sind also keine Seltenheit im Regelwerk, nur im Spielgeschehen. In der Praxis tritt das so gut wie nie ein, weil die Bauern unterwegs geschlagen oder blockiert werden und ein Gegner solche Stellungen kaum zulässt. Zwei Damen pro Seite sieht man in Endspielen gelegentlich, drei sind eine echte Rarität. Als Kuriosum nennt das Portal Chess.com eine Partie aus dem Jahr 2011 zwischen David Anton Guijarro und Alejandro Franco Alonso, in der beide Seiten zeitweise je drei Damen auf dem Brett hatten. Das live zu erleben, liefert eine Geschichte für den Vereinsabend.

Wann eine andere Figur als die Dame besser ist

Die Umwandlung in eine Dame ist nicht immer die klügste Idee. Jede Wahl einer anderen Figur heißt Unterverwandlung, und sie hat ihren festen Platz in der Endspieltheorie. Zwei Gründe tauchen am häufigsten auf, und beide lassen sich an bekannten Stellungen zeigen. Beide gehören zum Standardwissen jedes Vereinsspielers, und beide kosten im Ernstfall einen halben oder ganzen Punkt, wenn man sie übersieht. Üben lässt sich das gut mit Endspielaufgaben, bei denen die Umwandlung als Schlüsselzug dient und eine falsche Wahl sofort bestraft wird. Wichtig bleibt die Rechnung im Voraus, denn eine zweite Dame kann ein Patt herbeiführen oder dem Gegner ein Dauerschach erlauben. Durchgespielte Stellungen gewinnen so manche Partie, die auf den ersten Blick schon remis aussah.

Patt vermeiden

Ein Patt bedeutet Unentschieden, obwohl man haushoch überlegen ist. Es entsteht, wenn der Gegner am Zug ist, nicht im Schach steht und keinen erlaubten Zug mehr hat. Mit einer Dame, die viele Felder beherrscht, lässt sich das leicht versehentlich auslösen, zum Beispiel wenn der gegnerische König in einer Ecke eingesperrt wird. Wählt man stattdessen Turm, Läufer oder Springer, bleibt dem König ein Fluchtfeld, und der Sieg ist gerettet. Chess.com zeigt eine Stellung, in der selbst ein Turm Patt bedeuten würde und Weiß deshalb einen Läufer wählt. Solche Beispiele gehören in jede Endspielsammlung, und wer sie einmal gesehen hat, erkennt die Gefahr bei der eigenen Partie sofort. Ein kurzer Blick auf die Fluchtfelder des gegnerischen Königs vor dem Zug genügt meist.

Mit Schach ein Tempo gewinnen

Der zweite Grund ist ein Zeitgewinn. Gegen Timman wandelte Anatoli Karpow 1986 einen Bauern in einen Springer um und gab damit sofort Schach. So gewann er ein wichtiges Tempo, und Timman konnte kein Dauerschach mehr erzwingen, das mit einer anderen Figur drohte. Ein Springer zieht in L-Form, und kein anderer Stein bewegt sich so. Das Beispiel zeigt, dass Unterverwandlungen ein taktisches Mittel mit Rechenaufwand sind und mehr leisten als nur Patt zu verhindern. Prüfen Sie vor jeder Umwandlung, welche Figur dem gegnerischen König die wenigsten Chancen lässt, und rechnen Sie jede Antwort des Gegners bis zum Ende durch. Erst dann steht fest, ob Dame, Turm, Läufer oder Springer den Sieg sichert.

Keine zweite Dame zur Hand, was nun

Im Freundeskreis passiert es ständig, dass die zweite Dame fehlt. Ein beliebter Notbehelf ist ein umgedrehter Turm, den beide Seiten als Dame akzeptieren, oder man entlehnt die Figur von einem anderen Brett. Wichtig ist, dass beide vor dem Spiel eine Absprache treffen, damit es später keinen Streit gibt. Häufige Spieler kaufen sich am besten ein Set mit Ersatzfiguren, die es als Schachfiguren mit zusätzlichen Damen gibt. In Vereinsturnieren spricht man in der Regel den Schiedsrichter an. Online erledigt das die Software, dort wählen Sie die Figur per Klick. Beim Brettspiel zu Hause zählt der gesunde Menschenverstand, solange beide Seiten wissen, welche Figur gemeint ist.