Kompost im Herbst ausbringen und was der Boden davon hat
Auf einen Blick, bevor es losgeht
Der Herbst taugt für Kompost, solange der Boden noch Wärme hält und nicht wassergesättigt ist. Auf Beeten arbeiten Sie ihn flach ein oder legen ihn als dünne Schicht auf. Fertigkompost ist die sichere Wahl, frischer gehört nur an Starkzehrer.
Kompost im Herbst ausbringen gilt unter Gärtnern als alte Gewohnheit, und trotzdem streiten sich die Quellen darüber, ob das Frühjahr nicht der bessere Termin wäre. Beides hat Gründe. Kennen Sie die Argumente, entscheiden Sie für Ihr Beet, Ihren Boden und Ihr Wetter, statt einem Kalenderdatum zu folgen.
Warum der Herbst für Kompost funktioniert und wo er Nährstoffe kostet
Für den Herbst spricht vor allem der Frost. Liegt der Kompost über den Winter auf oder knapp unter der Oberfläche, brechen Frostwechsel grobe Bestandteile auf, sodass die Masse im Frühjahr feiner und krümeliger ist. Nach einer Darstellung auf gartenjournal.net tötet die Kälte außerdem Krankheitserreger und Schädlinge ab, die in nicht ganz durchgerotteter Erde stecken. Frühjahrsgaben tragen dieses Risiko eher mit in die Saison. Ein weiterer Pluspunkt: Mit der Arbeit im Herbst bleibt im März und April mehr Zeit für Aussaat und Pflanzung.
Dagegen steht die Auswaschung. Fällt im Herbst und Winter viel Regen und kann der Boden kein Wasser mehr aufnehmen, wandern gelöste Nährstoffe ab und sammeln sich in Senken. Eine österreichische Beratungsstelle für Naturgärten nennt in ihrem Infoblatt überhaupt nur das Frühjahr als Termin, und das Gartenjournal bezeichnet den Spätsommer und frühen Herbst als ungünstig, weil dort noch Starkregen drohen kann. Beide Quellen widersprechen sich also nicht grundsätzlich, sie gewichten nur anders. Spät im Oktober und im November, bei abkühlendem Boden und ohne gerade angekündigte Dauernässe, ist die Gefahr überschaubar. Bei schwerem Lehm, der lange Wasser hält, und an Hanglagen würde ich dennoch bis zum Frühjahr warten oder nur eine dünne Mulchschicht auflegen.
Noch ein Hinweis aus einem Baumarkt-Ratgeber: Beete mit winterfestem Gemüse, etwa Grünkohl, bekommen keine Düngergabe, weil aktive Wurzeln im Spätherbst kaum noch Nährstoffe aufnehmen. Für leer geräumte Flächen gilt das nicht.
Wie viel Kompost pro Quadratmeter auf welche Fläche
Zahlen helfen, damit aus gut gemeintem Düngen keine Überdüngung wird. Die folgende Tabelle gibt die Mengen aus dem Gartenjournal wieder, ergänzt um die Spannen des österreichischen Infoblatts. Beide Quellen weichen leicht voneinander ab, vor allem bei Starkzehrern, deshalb sind Spannen angegeben statt eines einzelnen Werts.
| Fläche | Menge pro Quadratmeter | Anmerkung |
|---|---|---|
| Neu angelegtes Beet | 20 bis 30 Liter | in die Erde eingearbeitet |
| Gemüse, Starkzehrer | 4 bis 7 Liter | Kohl, Kürbis |
| Gemüse, Mittelzehrer | 2 bis 5 Liter | Zwiebeln, Möhren |
| Gemüse, Schwachzehrer | 1 bis 3 Liter | Bohnen, Erbsen |
| Ziergarten | 1 bis 2 Liter | jährliche Gabe |
| Pflanzloch | bis zu 30 Prozent | untergemischt in den Aushub |
Als Faustregel für die Grundversorgung nennt das Gartenjournal im Frühjahr zwei bis drei Liter je Quadratmeter. Im Herbst bleiben Sie am besten am unteren Ende der Spannen, weil im Frühjahr bei Bedarf immer noch nachgelegt werden kann. Zu viel Kompost auf einmal führt zu einem Nährstoffüberschuss, der bei Regen im Boden nicht gehalten wird. Gemessen wird übrigens in Litern, nicht in Kilo, denn die Rohdichte schwankt stark mit dem Feuchtegrad. Ein Eimer mit zehn Litern reicht je nach Beet für etwa zwei bis fünf Quadratmeter.
Einarbeiten, auflegen oder abdecken im Herbst
Beim Einarbeiten raten die Quellen zur flachen Methode. Tief untergrabener Kompost stört das Bodenleben in den oberen Schichten, die ihn eigentlich verarbeiten sollen. Der Baumarkt-Ratgeber beschreibt dagegen das klassische Vorgehen: Kompost mit der Gabel auf dem Beet verteilen und dann Stück für Stück umgraben. Auf schwerem Boden ist das Umgraben im Herbst sinnvoll, weil der Frost die Schollen für das Frühjahr zerkleinert. Auf lockerem Sandboden ist es nicht nötig und kann sogar schaden, weil Humus dort schneller abgebaut wird.
Die zweite Variante ist die dünne Auflage ohne Graben. Sie ahmt nach, was im Wald passiert: Material liegt oben, Regenwürmer ziehen es hinab. Darüber kommt Laub, Stroh oder Mulch, damit der Boden nicht abkühlt und der Kompost nicht verschlämmt. Das Gartenjournal empfiehlt für Bäume und Beerensträucher genau diese Mulchschicht auf der Baumscheibe, solange der Boden noch warm ist. Rund um Stämme sollte die Auflage allerdings ein paar Zentimeter Abstand halten, sonst fault die Rinde.
Reifegrad prüfen, bevor der Kompost auf die Fläche kommt
Nicht jeder Kompost darf auf jedes Beet. Frischkompost, vier bis acht Wochen alt und mit erkennbarem Ausgangsmaterial, ist nach dem Gartenjournal für die unmittelbare Verwendung nicht empfehlenswert. Die österreichische Quelle gibt für den Einsatz von Frischkompost ein Alter von drei bis sechs Monaten an und beschränkt ihn auf Starkzehrer wie Kürbis oder Tomaten, flach eingearbeitet. Reifer Kompost gilt nach dieser Quelle nach sechs bis zwölf Monaten als überall einsetzbar, das Gartenjournal nennt für Fertigkompost mindestens sechs Monate und für Reifekompost zwei bis drei Jahre. Die Zahlen gehen also auseinander, was sich mit Material, Wetter und Haufengröße erklären lässt.
Ein einfacher Test liefert Sicherheit: der Kressetest. Füllen Sie eine Schale mit Kompost, säen Sie Gartenkresse aus und halten Sie das Ganze feucht. Keimt die Kresse gleichmäßig und ohne Verfärbungen, ist der Kompost reif. Bleiben Keimlinge aus oder werden gelb, braucht die Masse noch Zeit. Grobe, faserige Reste behindern außerdem das Wurzelwachstum, deshalb lohnt sich das Absieben vor der Ausbringung.
