Haushalt

Backofen mit Verlängerungskabel betreiben und was dagegen spricht

Die Küche ist neu geplant, der Backofen steht, und die Steckdose liegt einen Meter zu weit weg. Da liegt die Frage nahe, ob man einen Backofen mit Verlängerungskabel betreiben kann. Technisch läuft das Gerät auch am Kabel, die Frage ist nur, wie lange das gutgeht. Ein Backofen gehört zu den Verbrauchern, die über Stunden große Ströme ziehen, und genau dort liegen die Schwachstellen einer Verlängerung.

Backofen mit Verlängerungskabel betreiben und was dagegen spricht

Was auf dem Typenschild über den Anschluss steht

Ob eine Verlängerung überhaupt zur Debatte steht, entscheidet die Art des Anschlusses. Viele Backöfen mit Stecker nehmen laut Herstellerangaben, etwa von Samsung, höchstens rund 3400 Watt auf und arbeiten an einer normalen Haushaltssteckdose mit 16 Ampere. Rechnerisch liefert eine solche Steckdose bei 230 Volt höchstens 3680 Watt, der Ofen bewegt sich also knapp unter der Grenze. Das ist keine Kleinigkeit, denn der Ofen schaltet beim Heizen alle Heizelemente zusammen zu, und das dauert beim Vorheizen mehrere Minuten.

Herde mit Backofen und Kochfeld laufen dagegen meist an Drehstrom und werden fest an eine Herdanschlussdose angeschlossen. Sie haben keinen Schukostecker, und für sie kommt eine gewöhnliche Verlängerung grundsätzlich nicht infrage. Welche Variante bei Ihnen vorliegt, verrät das Typenschild an der Gerätekante oder an der Rückseite. Dort stehen Leistung, Spannung und Absicherung, und diese Angaben geben die Grenzen für alles Weitere vor. An Einbaugeräten sitzt das Schild häufig am Rahmen der Backofentür oder seitlich am Gehäuse, sodass Sie es erst bei geöffneter Tür finden. Einbaubacköfen für die Nische werden außerdem mit einem kurzen Anschlusskabel geliefert, das nicht für eine Verlängerung ausgelegt ist, sondern für die Dose in der Nähe des Gerätes. Fehlt Ihnen der Zettel, hilft die Bedienungsanleitung oder der Kundendienst des Herstellers.

Warum ein Verlängerungskabel hier zum Problem wird

Gewöhnliche Verlängerungen aus dem Baumarkt sind für Staubsauger, Lampen oder kurze Einsätze mit einem Heißluftgebläse gedacht. Für einen Backofen gilt etwas anderes, nämlich Dauerbetrieb nahe der Obergrenze. Dabei erwärmt sich jedes Kabel, und je dünner der Querschnitt und je länger die Leitung, desto stärker. Dazu gesellen sich die Steckverbindungen, an denen sich Übergangswiderstände bilden. Wird ein Kontakt locker, wird er heiß, und mit der Zeit kann sich das hochschaukeln. Ältere Kabel mit brüchiger Isolierung gehören ohnehin sofort aussortiert, bevor sie an einem Gerät mit dieser Leistung hängen.

Hinzu kommt der Spannungsabfall. Auf einer langen, dünnen Leitung geht ein Teil der Spannung verloren, das Gerät bekommt weniger als die vollen 230 Volt, und die Differenz setzt sich in Wärme im Kabel um, nicht im Ofen. Gemessen an den Strömen, die ein Backofen zieht, macht sich das schneller bemerkbar als bei einer Stehlampe. Dass der Ofen dabei langsamer heizt, ist Nebensache, entscheidend ist die Temperatur der Leitung, und die sehen Sie von außen kaum. Selbst ein Kabel, das sich nur lauwarm anfühlt, kann an der Steckverbindung bereits kritisch heiß sein.

Am heikelsten ist die Kabeltrommel, weil das aufgewickelte Kabel die Wärme nicht loswird. Zahlreiche Trommeln tragen deshalb Hinweise, dass bei aufgerolltem Kabel nur eine deutlich geringere Last erlaubt ist. Für Ihr Modell steht die Angabe auf der Aufschrift der Trommel. Zu den Meinungen im Netz: In einem alten Forum steht, vier Meter seien unproblematisch, ein Elektromeister wiederum soll angeblich gesagt haben, Verlängerungen mit 2,5 Quadratmillimetern seien bei Schukodosen unüblich. Belegt ist beides nicht. Elektrofachbetriebe und Hersteller raten übereinstimmend davon ab, Backöfen über Verlängerungen zu betreiben, und diese Linie ist die verlässlichste.

Wenn die Steckdose zu weit weg ist

Sauber gelingt es, wenn die Dose zum Gerät kommt. Ein Elektrofachbetrieb misst bei dieser Gelegenheit, ob Leitung, Sicherung und Dose zusammenpassen, und setzt eine ortsfeste Steckdose oder bei Herden eine neue Herdanschlussdose an die richtige Stelle, meist in überschaubarer Zeit. Geführt wird sie im Putz, im Kabelkanal oder hinter dem Sockel, und beides ist zulässig, solange der Zugang zur Dose frei bleibt. Eigenhändiges Nachrüsten empfiehlt sich nicht, denn bei Leitungen im Küchenbereich geht es um Querschnitt, Absicherung und Schutzleiter, und Fehler zeigen sich erst im Ernstfall.

Vielleicht lässt sich auch der Standort des Backofens verschieben. Einbaugeräte bleiben in ihrem Hochschrank, ein Standgerät lässt sich häufig ein Stück näher an die Wand rücken, an der die Dose sitzt. Mieter sollten vor jedem Eingriff den Vermieter fragen, weil Leitungen zur Bausubstanz gehören. Liegt die Leitung offen an der Wand, wird sie mit einem Kanal abgedeckt, damit niemand daran hängen bleibt und das Gerät nicht beim Verrücken am Kabel zieht. In Altbauten sind Küchenleitungen häufig dünner, als es ein moderner Backofen verlangt, und ein Elektriker prüft bei dieser Gelegenheit, ob die Leitung die Belastung überhaupt trägt.

Der Übergang für wenige Tage

Zieht ein Gerät erst ein und die Elektrik wird später angepasst, kann ein kleiner Tischbackofen mit niedrigerer Leistung die Zeit überbrücken. Auch er gehört nicht an eine lange Verlängerung, aber er ist weniger anfällig als ein großer Backofen. Wollen Sie trotzdem eine Verlängerung nutzen, treffen Sie die Entscheidung auf eigene Verantwortung. Dann gilt: so kurz wie möglich, voll abgerollt, mit ausreichendem Querschnitt und einem Stecker, der ohne Spiel in der Dose sitzt. Kontrollieren Sie Kabel und Stecker nach den ersten Minuten mit der Hand, und schalten Sie sofort ab, wenn etwas warm wird oder riecht. Achten Sie auch darauf, dass das Kabel nicht unter dem Gerät, hinter dem Ofen oder in der Nähe der heißen Backofentür verläuft, weil Hitze die Isolierung altern lässt.

Einen verbindlichen Wert für die zulässige Länge gibt es nicht, und die Quellen widersprechen sich sogar untereinander: Mal ist von keiner Obergrenze die Rede, mal heißt es, eine Verlängerung sei überhaupt nicht zulässig. Dahinter steckt, dass es immer auf Gerät, Dose und Leitung zugleich ankommt und eine Pauschalaussage deshalb wenig taugt.