Kräuter überwintern im Freien

Ob Sie Kräuter im Winter draußen lassen können, entscheidet sich an drei Dingen: an der Art, an der Menge Erde um die Wurzeln und an der Nässe im Boden. Kräuter im Freien zu überwintern verlangt daher weniger Wissen über Minusgrade als über Standort und Verpackung. Dieser Beitrag ordnet die gängigen Küchenkräuter ein, zeigt die Handgriffe für Töpfe und Hochbeete und nennt die wenigen Fälle, in denen ein Krautstock doch besser umzieht.

Kräuter überwintern im Freien

Welche Sorten den Frost im Beet aushalten

Die Einstufung hängt davon ab, welche Quelle man aufschlägt, und genau das sollten Sie wissen, bevor Sie sich auf eine Liste verlassen. Das Gartenportal Plantura nennt beim Rosmarin nur ausgewählte Sorten wie Veitshöchheimer oder Blue Winter als winterhart, während Öko-Test ihn ohne Einschränkung zu den mehrjährigen Kräutern im Freien zählt. Selbst bei der Petersilie widersprechen sich die Quellen: Die eine führt sie als winterhart, die andere als zweijährig.

Wo die Angaben auseinanderlaufen, hilft ein Blick auf Ihre Lage. In milden Regionen kommen auch die empfindlicheren Arten durch, in rauen Lagen sollten Sie mit Verlusten rechnen und vorsorgen. Die Tabelle fasst die Angaben der drei Quellen zusammen und nennt Grenzwerte nur dort, wo sie genannt werden.

KrautEinstufungHinweis aus den Quellen
Thymianwinterhartviele Sorten überstehen auch kalte Winter im Freien
Echter Salbei, Muskatellersalbeiwinterharttropische Arten wie Salvia elegans vertragen keinen Frost
Rosmarinje nach SorteSorten unterscheiden sich stark, empfindliche nur in milden Regionen auspflanzen
Lavendelbedingt winterhartverträgt kurzzeitig bis etwa minus 15 Grad, geschützter Platz hilft
Lorbeer, Zitronenverbenebedingt winterhartAbdeckung oder Rückzug bei starkem Frost
Liebstöckelwinterhartübersteht bis etwa minus 20 Grad, zieht oberirdisch ein
Zitronenmelissewinterhartim Beet bis etwa minus 20 Grad, im Topf können die Wurzeln durchfrieren
Russischer Estragonwinterhart bis etwa minus 10 Gradder französische Estragon reagiert auf Frost empfindlich
Oregano (Dost)mehrjährigin rauen Gegenden besser im Haus, die Sorte Thumbles gilt als robuster
Minzemeist winterhartRhizome überdauern im Boden, nicht jede Sorte ist frosthart
Schnittlauch, BärlauchwinterhartBärlauch überwintert als Zwiebel im Boden
WaldmeisterwinterhartLaub oder Tannengrün darüberlegen
Bohnenkrautzwei ArtenBergbohnenkraut hält durch, Sommerbohnenkraut ist einjährig
Basilikum, Dill, Borretsch, Kerbel, Koriander, Majoraneinjährigsterben ab und werden im Frühjahr neu gesät

Wundern Sie sich im Januar nicht über kahle Töpfe. Schnittlauch, Liebstöckel, Bärlauch, Minze und Zitronenmelisse ziehen im Winter ein, die Triebe über der Erde verschwinden, während Rhizome und Zwiebeln im Boden weiterleben. Ein leerer Topf ist deshalb noch kein toter Topf. Werfen Sie die Erde erst weg, wenn im Frühjahr tatsächlich nichts mehr austreibt, und lassen Sie die Gefäße bis dahin an ihrem geschützten Platz stehen.

Im Topf frieren die Wurzeln schneller durch

Ein Kraut im Beet hat den ganzen Gartenboden als Wärmespeicher, ein Kraut im Topf nur wenige Liter Erde, die von allen Seiten auskühlen. Deshalb gehen im Winter nicht die Pflanzen kaputt, die als frostempfindlich gelten, sondern die, deren Wurzelballen zu klein und zu nass waren. Hochbeete verhalten sich ähnlich, weil der Boden seitlich Kälte aufnimmt. Das Umwickeln der Gefäße ist daher wichtiger als jede Abdeckung der Triebe.

Bewährt hat sich diese Reihenfolge:

  1. Töpfe an eine geschützte, möglichst windstille Hauswand rücken.
  2. Gefäße auf Holz oder Styropor stellen, damit die Kälte nicht vom Boden her hochzieht.
  3. Den Topf mit Vlies, einer Kokosmatte oder Noppenfolie umwickeln.
  4. Mehrere Töpfe zusammen in eine Kiste stellen und die Zwischenräume mit Laub füllen.
  5. Rosmarin und Lorbeer an Frosttagen zusätzlich mit Vlies abdecken.

Ein breites Winterschutzvlies für Kübelpflanzen reicht dafür aus, ein Kokosmattenstreifen vom Meter tut denselben Dienst. Im Beet genügt bei den bedingt winterharten Arten eine Schicht Laub im Wurzelbereich, bei Bedarf mit Tannenreisig beschwert.

Windschutz und Dach verändern die Rechnung

Steht der Topf unter einem Vordach oder auf der überdachten Terrasse, bekommt er weder Regen noch Schnee ab. Öko-Test rät für diesen Fall, die Kräuter ab und an mäßig zu gießen, damit der Ballen nicht staubtrocken in den Frost geht. Ein Dach hat also zwei Seiten: Es hält die Nässe fern, die zusammen mit Frost gefährlich werden kann, nimmt den Pflanzen aber auch jede Feuchtigkeit von oben.

Ebenso wichtig ist der Wind. Öko-Test empfiehlt für die Töpfe einen möglichst windstillen Platz. Eine Hauswand im Rücken, eine Ecke zwischen Wand und Geländer oder die Rückseite einer Mauer erfüllen diesen Zweck besser als der freie Balkonrand. Stehen mehrere Töpfe nebeneinander, geben sie sich gegenseitig Schutz, und die mit Laub gefüllte Kiste aus der Liste oben macht daraus einen kompakten Block. Lässt sich der Platz wechseln, probieren Sie im Spätherbst aus, wo der Wind tatsächlich hinkommt, und stellen Sie die empfindlichsten Töpfe dorthin, wo es still bleibt.

Gießen, düngen und schneiden in der Ruhezeit

Im Beet reicht die Bodenfeuchte meist aus. Im Topf sieht das anders aus: Die Erde trocknet auch im Winter aus, vor allem bei Schnittlauch und Liebstöckel. Gießen Sie an frostfreien Tagen mäßig und nie so, dass Wasser im Untersetzer steht. Staunässe in Verbindung mit Frost kann die Pflanze zum Absterben bringen. Düngen sollten Sie in der Winterruhe gar nicht, weil neuer Trieb im Frost leidet.

Beim Schneiden gehen die Meinungen auseinander. Plantura rät, Kräuter nicht radikal zurückzuschneiden, weil starke Fröste die Pflanzen sonst schädigen, und empfiehlt den bodennahen Schnitt nur bei Schnittlauch und Zitronenmelisse im Herbst. Der Baumarkt toom lässt dagegen bei den meisten Arten alte Triebe über Winter stehen und schneidet erst spät im Frühjahr kräftig zurück. Eine brauchbare Faustregel: Holzige Arten wie Thymian, Salbei, Rosmarin und Lavendel bleiben bis zum Frühjahr unberührt, weiche Stauden, die ohnehin einziehen, dürfen im Herbst runter. Salbei bekommt zusätzlich nach der Blüte einen Schnitt.

Wann ein Kraut besser ins Winterquartier zieht

Ausgraben, eintopfen und hereinholen lohnt sich bei Currykraut und bei allen Arten, die in der Tabelle als bedingt winterhart oder sortenabhängig stehen, sobald Ihre Lage rau ist. Das Quartier soll hell und frostfrei sein, als Richtwert gelten 10 bis 15 Grad: Gewächshaus, Keller mit Fenster, Garage oder ein unbeheiztes Treppenhaus. Ohne Tageslicht braucht es eine Pflanzenlampe. Die Wohnung fällt aus, weil es dort für ruhende Kräuter zu warm ist. Stellen Sie die Töpfe mit Abstand auf und prüfen Sie regelmäßig auf Schädlinge, denn in der Wärme vermehren sie sich schnell.

Die Gärtnerin Svenja Schwedtke, die Öko-Test zitiert, rät übrigens davon ab, mediterrane Kräuter komplett im Haus zu überwintern. An den wenigen echten Frosttagen sind sie draußen meist besser aufgehoben, und nur in sehr kalten Nächten kommen die Töpfe kurzzeitig in Schuppen, Garage oder Keller. Einjährige Arten sollten Sie vor dem ersten Frost ernten und durch Trocknen, Einfrieren, Einlegen in Öl oder als Pesto haltbar machen.

Als Entscheidungshilfe genügen drei Fragen. Steht die Art in der Tabelle als winterhart, darf sie draußen bleiben, im Beet ohne weiteres und im Topf mit Mantel und Laubkiste. Führt die Tabelle sie als bedingt winterhart oder je nach Sorte, richtet sich alles nach Ihrer Lage: In einer milden Region genügt bei Frost ein Vlies, in einer rauen zieht der Topf um. Ist die Art einjährig, sparen Sie sich jeden Winterschutz, ernten rechtzeitig und planen die Neuaussaat ein.

Kann ich Thymian im Winter ernten
Ja, die Blätter lassen sich auch in der kalten Jahreszeit pflücken. Nehmen Sie aber nur einzelne Triebspitzen und schneiden Sie die Pflanze nicht kahl, denn Plantura warnt davor, Kräuter radikal zurückzuschneiden.
Was passiert mit Dill und Bohnenkraut im Beet
Lassen Sie Triebe und Blüten stehen. Beide Arten säen sich selbst aus, sodass im Frühjahr Sämlinge erscheinen, ohne dass Sie neu kaufen müssen. Das gilt für das einjährige Bohnenkraut, nicht für die mehrjährige Bergsorte.
Darf ich blühende Petersilie noch essen
Davon raten die Quellen ab. Petersilie ist zweijährig und wird im zweiten Frühjahr nach der Blüte ungenießbar. Säen Sie für die Küche rechtzeitig nach und lassen Sie die alte Pflanze nur für Insekten stehen.

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