Der Winter war lang, das Rad stand in der Garage, und nun reagiert der Akku auf keinen Knopfdruck mehr. Ist Ihr E-Bike Akku tiefentladen, wirkt das Ladegerät häufig wie tot: keine Anzeige, kein Blinken, gar nichts. Dahinter steckt im Normalfall keine Laune der Elektronik, sondern eine Schutzfunktion. Die Steuerplatine im Akku trennt die Zellen vom Stromkreis, bevor sie endgültig Schaden nehmen. Ob sich der Akku noch retten lässt, hängt davon ab, wie lange er leer lag und welche Fehler Sie jetzt vermeiden. Dieser Beitrag zeigt eine Reihenfolge, die sich in der Praxis bewährt hat, und sagt auch, wann Schluss ist mit dem Selbstversuch.
Woran Sie eine Tiefentladung erkennen
Ein tiefentladener Akku verrät sich auf mehrere Arten. Das Display bleibt dunkel, die Ladestandsleuchten am Akku rühren sich nicht, und am Ladegerät leuchtet entweder keine Lampe oder die Anzeige springt nach wenigen Sekunden wieder zurück. Manche Systeme melden einen Fehlercode, den das Handbuch erklärt. Prüfen Sie zuerst die Banalitäten: Sitzt der Stecker fest, liefert die Steckdose Strom, ist der Akku sauber eingerastet? Auch ein durchgefrorener Akku verweigert das Laden, ohne tiefentladen zu sein. Nach einer Nacht im Frost braucht er Zimmertemperatur, bevor er Strom annimmt. Erst wenn all das ausscheidet und der Akku Wochen oder Monate ungenutzt lag, ist die Tiefentladung der wahrscheinlichste Grund. Selbstentladung läuft nämlich auch bei ausgeschaltetem Rad weiter, langsam, aber stetig.
Warum ein leerer Akku so empfindlich ist
Lithium-Ionen-Zellen mögen weder Dauerfülle noch völlige Leere. Sinkt die Spannung in den Zellen zu tief, laufen im Inneren chemische Vorgänge ab, die sich nicht mehr umkehren lassen. Deshalb sitzt im Akku ein Batteriemanagement, das den Stromfluss kappt, bevor es so weit kommt. Genau diese Abschaltung erleben Sie, wenn nichts mehr geht. Das Management selbst verbraucht allerdings weiter etwas Strom. Liegt der Akku monatelang leer herum, kann schon dieser winzige Verbrauch die Zellen unter die Grenze drücken, und dann bleibt der Akku gesperrt. Das BIKE Magazin rät deshalb, den Ladestand im Winter alle ein bis zwei Monate zu prüfen. Ein einmal tief entleerter Akku verliert meist dauerhaft an Kapazität, selbst wenn er sich wieder laden lässt.
Was Sie jetzt tun können
Die Reihenfolge entscheidet. Beginnen Sie mit dem Harmlosen, und gehen Sie erst danach zu Schritten über, die Fachwissen verlangen. Nehmen Sie den Akku aus dem Rad, sofern er sich entnehmen lässt, und stellen Sie ihn für einige Stunden in einen trockenen Raum mit Zimmertemperatur. Sehen Sie sich Gehäuse und Kontakte genau an. Ein aufgeblähtes Gehäuse, Verfärbungen, Geruch oder ungewöhnliche Wärme sind Ausschlusskriterien: Dann kommt der Akku weder ans Ladegerät noch in die Wohnung zum Weiterprobieren, sondern zum Händler oder zur Entsorgung an einer Rücknahmestelle. Notieren Sie sich außerdem, wie lange der Akku ungenutzt lag und wo er stand, denn diese Angaben interessieren später jeden Techniker. Sieht alles unauffällig aus, folgen zwei Stufen.
Ladegerät anschließen und abwarten
Stecken Sie den Akku an das Original-Ladegerät, das zu Ihrem System gehört. Ein Gerät eines anderen Herstellers kann die Schutzelektronik verwirren, selbst wenn der Stecker passt. Lassen Sie den Akku eine Weile am Netz, ruhig eine Stunde, auch wenn zunächst nichts passiert. Manche Akkus brauchen etwas Zeit, bis die Steuerung den Ladevorgang freigibt. Bleibt die Anzeige dunkel, probieren Sie eine andere Steckdose und laden Sie den Akku außerhalb des Rades, falls Ihr Modell das zulässt. Springt er an, laden Sie ihn ohne Unterbrechung komplett voll. Danach fahren Sie eine ruhige Runde und beobachten, wie schnell der Ladestand sinkt. Fällt er rasch ab, haben die Zellen gelitten, und Sie sollten die Reichweite einplanen, die Sie noch verlässlich haben. Ein Ersatz wird dann früher oder später fällig, aber die Anschaffung lässt sich zumindest in Ruhe planen.
Wenn nichts passiert, ist der Fachhandel dran
Reagiert der Akku auch nach diesem Versuch nicht, hilft kein Basteln mehr. Wenden Sie sich an den Fahrradhändler oder an den Kundendienst des Antriebsherstellers. Dort steht Diagnosetechnik, die den Zustand der einzelnen Zellen ausliest, und das Ergebnis entscheidet über Reparatur oder Ersatz. Manche Betriebe berechnen die Prüfung, und ein Zellentausch kostet je nach Modell einen spürbaren Teil eines neuen Akkus. Fragen Sie nach, ob noch Gewährleistung läuft; in den ersten zwei Jahren nach dem Kauf haftet zunächst der Verkäufer. Lag der Akku allerdings nur wegen langer Standzeit leer, wird er einen Lagerfehler anführen. Stellen Sie die Kosten einer Reparatur dem Preis eines neuen Akkus gegenüber, bevor Sie zusagen. Holen Sie im Zweifel ein zweites Angebot ein, denn die Preise für Zellentausch und Neuakku liegen je nach Betrieb weit auseinander.
Diese Versuche sollten Sie lassen
Im Netz kursieren Anleitungen, die den Akku öffnen, die Zellen mit einem Labornetzteil anschieben oder mit anderen Akkus verbinden. Davon rate ich ab. Lithium-Zellen, die unter die Schutzgrenze gefallen sind, können beim Wiederaufladen Wärme entwickeln und im ungünstigen Fall Feuer fangen. Außerdem erlischt durch das Öffnen des Gehäuses meist der Garantieanspruch. Wärme hilft ebenfalls nicht: Heizung, Föhn oder Heizmatte schaden einem kalten Akku mehr, als sie nützen. Laden Sie einen noch eiskalten Akku auch nicht, sondern lassen Sie ihn langsam auf Raumtemperatur kommen, am besten auf einer feuerfesten Unterlage fern von Brennbarem. Und lassen Sie den Akku nicht tagelang unbeaufsichtigt am Ladegerät hängen, nur weil er gerade nicht reagiert.
So bleibt der Akku künftig am Leben
Der beste Schutz ist eine saubere Winterroutine. Das BIKE Magazin nennt für die Lagerung einen trockenen, frostfreien Raum bei etwa 10 bis 20 Grad und einen Ladestand zwischen 30 und 60 Prozent; Shimano empfiehlt etwa 70 Prozent. Setzen Sie sich einen Kalendertermin für die regelmäßige Kontrolle des Ladestands und bei Bedarf Strom nachzuladen. Heizkörper, Ofen und Fensterbank in der Sonne taugen als Lagerplatz nicht. Vor dem Saisonstart laden Sie den Akku bei Zimmertemperatur voll. Kontakte und Ladebuchse halten Sie sauber und trocken, Streusalzreste entfernen Sie behutsam, ohne zu kratzen. Steht das Rad im Sommer wochenlang still, gilt dieselbe Regel. Wenn Sie den Akku häufig nur kurz nutzen, genügt es, ihn nach der Fahrt nicht leer abzustellen, sondern auf einen mittleren Ladestand zu bringen.
