Der Heizkörper bleibt oben kalt, es gluckert in der Leitung, und Sie suchen vergeblich nach der Schraube, die man zum Entlüften aufdrehen soll. Wollen Sie einen Heizkörper ohne Entlüftungsschraube entlüften, lohnt zuerst der zweite Blick. In den meisten Fällen steckt das Ventil nur an einer anderen Stelle oder sieht anders aus, als Sie es erwarten. Gibt es tatsächlich keines, ist der Fall komplizierter, und dann sollten Sie nichts mit Gewalt probieren. Im Folgenden lesen Sie, wie Sie das Ventil finden, wie Sie vorgehen und wann ein Fachbetrieb unvermeidlich wird.
Erst prüfen, ob wirklich kein Ventil da ist
Das Entlüftungsventil sitzt bei den meisten Heizkörpern seitlich oben, bei Handtuchheizkörpern häufig hinten oder an der Oberseite. Es kann unter einer Kappe liegen, hinter einer Verkleidung oder tief in einer Aussparung. Mal besitzt es einen Schlitz für einen Schraubendreher, mal einen Vierkant, für den Sie einen passenden Entlüftungsschlüssel brauchen. Den gibt es im Baumarkt für wenig Geld, etwa als Entlüftungsschlüssel mit Vierkant. Leuchten Sie die Oberseite mit der Taschenlampe ab und fühlen Sie an den Stirnseiten nach. Erst wenn Sie an keiner Stelle ein Ventil finden, gehört der Heizkörper zu den Exemplaren ohne Entlüfter. Bei Flachheizkörpern mit glatter Verkleidung nehmen Sie die obere Abdeckung vorsichtig ab, weil darunter das Ventil sitzen kann.
So gehen Sie vor, wenn das Ventil sitzt
Ob Sie Mieter oder Eigentümer sind, ändert die Reihenfolge ein wenig. Als Mieter genügt es meist, die Heizkörper einzeln zu behandeln. Eigentümer mit eigener Anlage arbeiten am Gesamtsystem und müssen zusätzlich auf die Pumpe achten. Stellen Sie in beiden Fällen eine Schale und einen Lappen bereit, denn das Wasser, das zuerst kommt, ist meist schmutzig und kann rostige Reste enthalten. Beginnen Sie bei mehreren Stockwerken im untersten und arbeiten Sie sich nach oben vor. Ein Handtuch auf dem Boden unter dem Ventil fängt Spritzer ab, und ein alter Becher hält die ersten Tropfen auf. Die austretende Luft kann heiß sein, deshalb sollten Sie vorsichtig arbeiten und das Ventil nur langsam öffnen.
Wohnung und Mietheizung
Drehen Sie die Thermostate zu, damit kein Wasser mehr zirkuliert, und warten Sie, bis die Heizkörper kühler werden. Setzen Sie den Schlüssel oder Schraubendreher am Ventil an und drehen Sie es etwa eine halbe Umdrehung gegen den Uhrzeigersinn. Sie hören ein Zischen, das die entweichende Luft verrät. Sobald Wasser statt Luft kommt, und zwar mehr als vereinzelte Tropfen, schließen Sie das Ventil wieder. Ziehen Sie es nur handfest an, denn ein zu fest gedrehtes Ventil sitzt beim nächsten Mal wie festgebacken. Wiederholen Sie die Prozedur an den übrigen Heizkörpern, danach drehen Sie die Thermostate wieder auf und prüfen, ob die Wärme gleichmäßig verteilt ist.
Eigentümer mit Umwälzpumpe
Betreiben Sie im eigenen Haus die Anlage, schalten Sie vor dem Entlüften die Umwälzpumpe aus, damit sich Luftblasen in den Heizkörpern sammeln können, statt weiter durch die Rohre zu strömen. Rechnen Sie mit einer Wartezeit von etwa einer halben bis ganzen Stunde. Vattenfall nennt 30 bis 60 Minuten, die Gelben Seiten eine Stunde. In dieser Variante bleiben die Thermostate offen, anders als im Mietfall. Danach entlüften Sie wie beschrieben von unten nach oben. Haben Sie im Haus mehrere Stockwerke, gehört die Reihenfolge zum Vorgehen, weil die Luft nach oben steigt und sich im obersten Heizkörper sammelt. Am Ende schalten Sie die Pumpe wieder ein, was erstaunlich häufig vergessen wird und im Winter für kalte Räume sorgt.
Wenn tatsächlich kein Ventil existiert
Bei sehr alten Heizkörpern fehlt manchmal jede Entlüftungsvorrichtung. Die Luft sammelt sich dann an einer anderen Stelle des Systems, etwa in einem Entlüfter am höchsten Punkt der Leitung im obersten Stockwerk oder in einem zentralen Gerät. Hier sollten Sie als Laie nicht selbst werkeln. Ein Heizungsbauer kann am Heizkörper einen Blindstopfen durch einen Stopfen mit Entlüftungsventil ersetzen, wofür die Anlage teilweise entleert werden muss. Als Mieter wenden Sie sich zuerst an den Vermieter, denn Umbauten an der Heizung liegen in seiner Verantwortung. Fragen Sie nach dem Preis, bevor der Auftrag beginnt. Ein automatischer Entlüfter ist die dauerhafte Variante, die Luft ohne Handgriff abführt und zu einer größeren Modernisierung passt.
Fehler, die Ärger machen
Der Klassiker ist das Ventil, das man zu spät schließt, sodass Wasser über den Boden läuft. Ebenso häufig kommt vor, dass jemand ein festsitzendes Ventil mit der Zange gewaltsam löst. Das kann das Gewinde zerstören oder die Schraube abbrechen, und aus einer Fünf-Minuten-Aufgabe wird ein Wasserschaden. Forenberichte von Heimwerkern schildern genau diese Fälle: Wenn das Ventil klemmt, hilft ein Fachmann mehr als rohe Kraft. Weitere Fehlerquellen sind die vergessene Schale, die falsche Reihenfolge bei mehreren Etagen und das Entlüften bei laufender Pumpe. Auch ein zu niedriger Anlagendruck nach dem Entlüften zählt dazu, denn dann kommt die Luft sofort zurück, und das Gluckern beginnt von vorn.
Druck prüfen und Wärme testen
Nach dem Entlüften sehen Sie am Manometer der Heizungsanlage nach. Der Druck sollte je nach System ungefähr zwischen 1,5 und 2,5 bar liegen. Liegt er darunter, füllen Sie vorsichtig Wasser nach; Eigentümer kennen den Füllhahn, Mieter fragen den Hausmeister oder die Verwaltung. Fühlen Sie anschließend über die Fläche des Heizkörpers: Wird er gleichmäßig warm, war die Luft das Problem. Bleibt er unten heiß und oben kalt, ist wahrscheinlich noch Luft drin, oder der Heizkörper ist verschlammt. Verändert sich nach zwei oder drei Versuchen nichts, dann liegt die Ursache nicht in der Luft, sondern etwa im Ventil, im hydraulischen Abgleich oder in der Pumpe, und ein Heizungsbauer sollte sich das ansehen. Notieren Sie vorher, welche Räume betroffen sind und wann das Problem auftritt, das beschleunigt die Suche.
