Die Vorstellung hat Charme: ein paar Forellen im eigenen Teich, abends zuschauen und im Herbst vielleicht eine auf den Tisch. Forellen im Gartenteich zu halten, scheitert allerdings schnell auf ein Problem, das mit Pflege wenig zu tun hat. Forellen sind Kaltwasserfische, und ein gewöhnlicher Gartenteich erwärmt sich im Sommer weit über das, was sie vertragen. Ob es trotzdem klappen kann, hängt vom Wasser ab, nicht vom Geschick des Halters.

Was Forellen im Wasser verlangen
Welche Ansprüche die Tiere stellen, zeigt das Merkblatt zur Forellenteichwirtschaft der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft. Das Optimum liegt demnach bei 8 bis 14 Grad Celsius, der pH-Wert soll zwischen 6,5 und 8,0 liegen. Beim Sauerstoff reicht es nicht, wenn das Wasser einigermaßen frisch wirkt. Gefordert ist ein Gehalt nahe der Sättigung, je nach Temperatur 9 bis 11 Milligramm pro Liter, und am Auslauf des Teichs sollen es mindestens 6 sein.
Betriebe erreichen das mit sauberem, sommerkühlem Wasser, das ganzjährig gesichert zur Verfügung steht und den Teich laufend durchströmt. Entscheidend ist dort weniger die Fläche als die Menge an Frischwasser, die ankommt. Umgewälztes Wasser ohne Nachschub kann diese Bedingungen kaum nachbilden. Das Merkblatt richtet sich an die gewerbliche Haltung, doch die Ansprüche der Fische ändern sich nicht, nur weil der Teich im Garten liegt.
Warum der Gartenteich im Sommer scheitert
Hinzu kommt die Tiefe. Forellen suchen kühle Zonen, doch ein typischer Gartenteich misst ein bis eineinhalb Meter und schichtet sich im Sommer kaum so, dass unten dauerhaft kaltes Wasser liegt. Wasser mit einer Temperatur von 20 Grad oder mehr belastet Forellen schon, auch wenn der Sauerstoff rechnerisch noch ausreicht. Dazu kommt der Stoffwechsel: Bei Wärme fressen und atmen die Tiere mehr, verbrauchen also gerade dann mehr Sauerstoff, wenn das Wasser weniger davon enthält.
Gartenteiche ohne Zulauf heizen sich in der Sonne auf, und warmes Wasser kann weniger Sauerstoff halten. Die Sättigung sinkt mit steigender Temperatur deutlich, wie die Werte zeigen, die ein Teichfachhändler zusammengestellt hat. Fische gelten schon unter 4 Milligramm pro Liter als gefährdet, ein Wert über 6 gilt als gesund. Forellen, die auf 9 bis 11 angewiesen sind, kommen bei einem warmen Teich in Not, lange bevor ein Goldfisch etwas merkt.
| Wassertemperatur | Sauerstoff bei voller Sättigung | Einordnung für Forellen |
|---|---|---|
| 0 °C | etwa 14,6 mg/l | Wasser sehr kalt, Fische träge |
| 10 °C | etwa 11,3 mg/l | im Optimum von 8 bis 14 °C |
| 20 °C | etwa 9,1 mg/l | außerhalb des Optimums, Sättigung knapp am Mindestbedarf |
| 30 °C | etwa 7,6 mg/l | Bedarf von 9 mg/l und mehr nicht mehr zu decken |
Hitzemeldungen aus dem Sommer 2022 bringen es auf den Punkt. Laut einem Verbandstext zu Fischen bei Hitze zählen Forellen und Saiblinge zu den echten Kaltwasserfischen, die für Gartenteiche ungeeignet sind. An Pumpen oder Wasserspielen liegt es nicht, denn sie bringen Luft ins Wasser, kühlen aber nicht.
Wann ein Teich mit Zulauf eine Chance hat
Ein Gartenteich ist nach seiner Bauweise ein stehendes Gewässer. Forellen haben ihre Heimat in schnell fließenden, kalten Bächen, deren Wasser ständig Sauerstoff aufnimmt. Genau dieses Prinzip müsste der Teich nachbilden.
Anders sieht es aus, wenn der Teich von kühlem Wasser durchflossen wird, etwa von einem Bach oder einer Quelle. Dann bleibt die Temperatur niedrig, und der Sauerstoff wird ständig erneuert. Die nötige Zulaufmenge hängt von der Zahl der Fische ab, ein fester Mindestwert wird im Merkblatt nicht genannt. Zu beachten ist, dass Entnahme und Einleitung von Wasser genehmigungspflichtig sein können. Fragen Sie vor dem Bau die Untere Wasserbehörde Ihres Landkreises, und klären Sie auch, ob am Gewässer Fischereirecht besteht.
Setzen Sie ohne Zulauf Forellen ein, riskieren Sie ein Fischsterben mit Ansage. Prüfen Sie bei jedem Versuch den Sauerstoff mit einem Tröpfchentest, und zwar früh am Morgen, wenn der Wert am niedrigsten ist. Technik ersetzt Zulauf nicht, sie schiebt das Problem nur um einige Grad nach hinten.
Fische, die in den Gartenteich passen
Wer vom Fischen am eigenen Teich träumt, kann auf Schleie ausweichen, die auch in geschlossenen Teichen wächst und als Speisefisch gilt. Karpfen brauchen dagegen deutlich mehr Platz und wühlen den Boden auf, was in kleinen Teichen das Wasser trübt. Prüfen Sie außerdem, ob in Ihrem Bundesland der Besatz mit gebietsfremden Arten angezeigt werden muss. Die Auskunft gibt die Fischereibehörde.
Für einen geschlossenen Teich kommen Arten infrage, die Wärme und etwas weniger Sauerstoff wegstecken. Teichforen nennen Schleien und Goldfische als dankbare Besatzfische, die Pflege hält sich in Grenzen. Kleine Arten wie Moderlieschen oder Bitterlinge dürfen laut einem Merkblatt des Kreises Recklinghausen etwas dichter stehen. Wichtig ist, nicht zu viele Tiere einzusetzen. Als Richtwert gelten etwa 1000 Liter Wasser pro mittelgroßem Fisch, ein Teich mit 10 Kubikmetern fasst demnach höchstens neun Goldfische.
Pflanzen helfen, das Wasser stabil zu halten. Ein Teichbesitzer, dessen Teich im Sommer nicht kippt, nennt als Rezept viele Pflanzen, wenige Fische und Schatten durch Seerosen. Im Hochsommer füttern Sie nur, was sofort gefressen wird, und entfernen Faulschlamm und abgestorbene Pflanzenreste regelmäßig.
